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Schenkt der Welt ein menschliches Gesicht

Erzbischof Simon Ntamwana

Mit seinem Besuch in Hochdorf bestätigte Erzbischof Simon Ntamwana den Aufruf „Schenkt der Welt ein menschliches Gesicht“ aus dem Musical „Kolpings Traum“.

Bevor der Erzbischof aus Gitega / Burundi zum Empfang im Hochdorfer Rathaus eintraf, führte sein Weg zu einem Blick in den Weltladen in Hochdorf. Es gefiel ihm besonders, dass das Weltladenteam Burundi-Kaffee anbietet und sich mit der Frage befasst, auch weitere Produkte aus Burundi ins Warensortiment aufzunehmen.

Im Rathaus bestätigte der Erzbischof die Bedeutung des gemeinsamen Auftretens von Bürgermeister, Gemeinderat, Katholischem und Evangelischem Pfarrer, dem Pastor der EMK und dem in ökumenischer Gemeinschaft agierenden Weltladenverein. Der Erzbischof bezeichnete es als Ehre, dass er bei der bürgerlichen Gemeinde für sein Engagement zur Versöhnung auftreten und werben darf und schrieb u. a. ins Gästebuch „Sehr geliebte Gemeinde zu Hochdorf, …. es ist mein Wunsch und meine Hoffnung, dass Menschen sich verbinden und gemeinsam voranschreiten“.

Am Abend eröffnete der Chor Da Capo mit den Liedern „Higher and higher“ und „Santo“ in der Breitwiesenhalle vor ca. 250 anwesenden Besuchern den öffentlichen Teil des Besuchsprogramms.

In einer kurzen Begrüßung stellte der Kolping-Bezirksvorsitzende Uwe Schorsch den Erzbischof und die Buchautorin Angela Krumpen vor. Interessierte Besucher waren u. a. der Honorarkonsul der Republik Burundi, Vertreterinnen und Vertreter der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg, des Staatsministeriums, der Kirchen, des internationalen und nationalen Kolpingwerks, viele Kolpingsfamilien, Gruppen der KAB und der Pfadfinder, sowie viele Förderer der Burundi-Initiative und der Fairtrade-Bewegung. Uwe Schorsch versprach den Anwesenden, dass sie nach der Vorstellung des Buches „Nur Versöhnung kann uns retten“ ihre Meinung in verschiedener Hinsicht neu orientieren werden.

Die Autorin Angela Krumpen schlug das Buch auf und las mit sanfter Stimme. Es sind Bilder grausamster Gewalt, die sie heraufbeschwört. Erzbischof Simon Ntamwana (72) schließt die Augen bei der Schilderung, wie ein Baby aus den Armen seiner Mutter gerissen und vor deren Augen den Schweinen zum Fraß zugeworfen wird. Keine leichte Kost für die anwesenden Besucher, die aufmerksam zuhören.

Sehr ruhig und gefasst liest der Erzbischof - übrigens in perfektem Deutsch - das entsprechende Kapitel des Buches, in dem u. a. beschrieben ist, wie er als Student in Rom den Brief öffnet, der in dürren Worten aufzählt, welche Mitglieder seiner Familie tot sind. Sein Vater, sein Bruder, Onkel und Tanten, insgesamt 54 Namen enthielt die grausame Liste. Als er nach der Priesterweihe gegen den Rat vieler Vertrauter nach Burundi zurückkehrt erkennt er sein Land nicht wieder. "Ich habe Burundi in Fetzen vorgefunden, fassungslos lief ich durch die Leere", so zitiert er seine Worte. Er schildert, wie er selbst den Weg der Versöhnung suchte: "Ich lernte Schritt für Schritt diese Wunde in mir zu heilen."

Erzbischof Simon lässt nicht ab in seinem Bemühen um Versöhnung. Die sollte seiner Meinung nach übrigens vom Opfer ausgehen: "Das Opfer ist in einer besseren Lage, es scheint mir stärker zu sein. Das Opfer trägt die Folgen der Tat, aber nicht die Verantwortung. Der Täter hat die Last, er ist nicht mehr der Mensch, der er war.", so seine interessante These. Und Angela Krumpen spricht ihm ihre ausdrückliche Bewunderung für diese Haltung aus: Weiter hoffen - egal, wie es ausgeht.

Den Abschluss bildete der Chor Da Capo. Die Dirigentin Ellen Strauß-Wallisch erklärte, dass sie von der Buchvorstellung sehr berührt ist und die folgende Liedauswahl entsprechend geändert hat. Den Liedern „Herr in deinem Haus“ und „This Little light of Mine“ schloss der Chor den Aufruf aus dem Kolping-Musical an. Dazu forderte die Chorleiterin mit einem Wink den Erzbischof und Uwe Schorsch auf, eine freie Stelle vorne im Chor einzunehmen und mitzusingen:

Steht auf und gebt der Welt ein Lebenszeichen,
in euch allen brennt dasselbe Licht,
noch ist es dunkel, doch die Nacht wird weichen:
Schenkt der Welt ein menschliches Gesicht.